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Nachhilfekurse für Grundschulkinder

Wegen mangelhafter Ausstattung und Überfüllung können die UNRWA-Schulen ihrem Auftrag nicht gerecht werden. Die LehrerInnen sind angesichts der sozialen Konflikte schlecht ausgebildet und meinen, sich in den großen Klassen nur durch strenge disziplinarische Maßnahmen Geltung verschaffen zu können. Platzmangel und überforderte Eltern behindern das Lernen zu Hause. Die Folge davon ist ein erschreckender Bildungsrückgang unter den Flüchtlingskindern. Nur etwa 2/3 der Kinder im Grundschulalter besuchen die Schulen. Die Zahl der Schulabbrecher wächst rapide. Die Mädchen und Jungen scheitern meist schon in den ersten Klassen.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Schuljahr 2003/2004 damit begonnen, Nachhilfekurse unserer Partnerorganisation The National Institution of Social Care and Vocational Training (NISCVT) zu finanzieren. Es ist das erste Mal, dass eine Hilfsorganisation umfangreiche Kurse in dieser Form in den Flüchtlingslagern anbietet. In 7 Sozialzentren von NISCVT nehmen ca. 500 Kinder der ersten bis dritten Klasse an den Nachhilfekursen teil. Die etwa 30 Kurse finden täglich vormittags und nachmittags (je nach Schulschicht) außer freitags und sonntags statt. Sie dauern 2 bis 3 Stunden. Die Hausaufgaben werden beaufsichtigt und es wird in Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch unterrichtet. Zum Ausgleich gibt es zwischendurch Pausen zum Spielen und Toben. Die Schülerinnen und Schüler können außerdem an den Wochenend- und an den Sommerferienaktivitäten von NISCVT teilnehmen. Die Nachhilfelehrerinnen und -lehrer sind Hochschulabsolventen, die keinen Arbeitsplatz gefunden haben, andere sind Studenten. In regelmäßigen Fortbildungen werden ihre Fähigkeiten und Kenntnisse gefördert und verbessert. Mit Hilfe des monatlichen Honorars für die Nachhilfekurse können die Studenten ihr Studium mitfinanzieren, die Hochschulabsolventen können zum Unterhalt ihrer Familien beitragen.

Die anfängliche Zurückhaltung der UNRWA-Lehrer, die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen nicht gewöhnt sind, ist wegen der schnell erkennbaren Fortschritte der Schülerinnen und Schüler zunehmend positiver Resonanz gewichen. In vielen Fällen gibt es inzwischen eine gute Zusammenarbeit. Auch die Eltern der Kinder werden einbezogen. Von allen Beteiligten (Schüler, Nachhilfelehrer, UNRWA-Lehrer, Eltern) wird ein sehr positives Resümee gezogen. Die SchülerInnen können ihre Leistungen spürbar verbessern. Sie genießen das Lernen ohne Druck in überschaubarer Gruppengröße und die liebevolle und aufmerksame Zuwendung der NachhilfelehrerInnen. Symptomatisch ist die Äußerung eines Schülers: „Hier kann ich mich endlich melden und muss keine Angst haben, bestraft zu werden, wenn ich etwas Falsches sage.“ Den Kindern wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein gestärkt und ihre Persönlichkeit entwickelt. Sie erlangen so die notwendige Reife und Stärke, in den höheren Klassen der Schule allein und erfolgreich zurecht zu kommen.

Das Projekt wird bis heute ununterbrochen weiter geführt. Jährlich stellt unser Verein ca. 22.000$ zur Verfügung.

Wir danken der Rolf-Buscher-Stiftung, der Günter-Bayer-Stiftung und der Georg Kraus Stiftung für ihre großzügige Förderung.