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Psychotherapeutisch-psychologische Behandlung von Kindern

NISCVT unterhält fünf psychologische Zentren, um den weit verbreiteten Traumata und psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen in den palästinensischen Flüchtlingslagern entgegen zu wirken. Damit leisten unsere Partner im Libanon Pionierarbeit, denn psychische Erkrankungen sind im arabischen Raum noch vielfach tabuisiert. Als Folge davon fehlt es für die Flüchtlinge an Behandlungsmöglichkeiten und erst recht an finanziellen Mitteln zur Diagnose und Behandlung.

Die politisch instabile, immer wieder von Gewalt geprägte und perspektivlose Situation der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon beeinträchtigt das seelische Gleichgewicht und die psychische Stabilität von Kindern und Jugendlichen erheblich.Häufige Krankheitsbilder sind deshalb Depressionen, Angstzustände, posttraumatische Störungen, verbunden mit Lernschwierigkeiten, Entwicklungs-, Bewegungs- und Sprachstörungen, aber auch Krankheiten wie Schoziphrenie, Authismus und Hyperaktivität. In den psychologischen Einrichtungen von NISCVT arbeiten die dort angestellten PsychologInnen, PsychiaterInnen, Psycho-, Sprach- und BewegungstherapeutInnen eng mit den speziell geschulten SozialarbeiterInnen von NISCVT zusammen. Bei der Diagnose und Behandlung werden die Eltern und das gesamte Umfeld der PatientInnen wie Kindergarten und Schule mit einbezogen. Nach anfänglicher großer Skepsis ist das Vertrauen inzwischen sehr groß und dank der Erfolge suchen immer mehr Eltern Hilfe für ihre Kinder. Durch Workshops und Kurse konnte die Sensibilität für das Erkennen psychischer Krankheiten bei Eltern, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen und UNRWA-LehrerInnen geweckt werden, sodass Auffälligkeiten früher entdeckt und behandelt werden können. Die Eltern lernen, auf ihre Kinder angemessen zu reagieren, und erleben deren Fortschritte als große Entlastung für die Familiensituation.

So kann jährlich einigen Tausend Kindern und Jugendlichen geholfen werden. Lange Wartelisten bei manchen Therapien unterstreichen die hohe Dringlichkeit des Projekts.

Ein besonderer Aspekt des Projekts ist der Umstand, dass aus Mangel an palästinensischen fast alle psychologischen Fachkräfte Libanesen sind, die häufig vorher noch nie in einem palästinensischen Flüchtlingslager gewesen sind. Auch die palästinensischen Flüchtlinge mussten ihre Vorbehalte gegenüber den libanesischen Fachkräften überwinden, was in einem so sensiblen psychischen Bereich nicht selbstverständlich ist. Auf beiden Seiten mussten und konnten so die Vorurteile abgebaut werden. Das Projekt hat damit auch eine besonders positive integrative gesellschaftliche Wirkung. Dies entspricht ganz der erklärten Politik von NISCVT, die auf die Überwindung religiöser, ethnischer und gesellschaftlicher Barrieren zielt.

Das Projekt wird vor allem von den Finnish Psychologists for Social Responsabilities fachlich begleitet und evaluiert. Sie sind im Wesentlichen auch verantwortlich für das Fundraising für das sehr kostspielige Projekt. Da in diesem Jahr eine unvorhergesehene größere Finanzierungslücke aufgetreten ist, hat sich unser Verein bereit erklärt, das psychologische Zentrum im Flüchtlingslager Nahr Al-Bared mit bisher 20.000€ zu unterstützen (siehe auch das Notfallprojekt vom Sommer 2007).