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Rosa-Wainer-Stipendium für palästinensische Schülerinnen

Dank der Schirmfrau unseres Vereins, der israelischen Rechtsanwältin Felicia Langer, haben wir aus der Erbschaft aus dem Nachlass der 1997 in Berlin verstorbenen Jüdin Rosa Wainer eine Spende in Höhe von insgesamt 27.500 Euro erhalten. Das Geld wurde längerfristig angelegt, um aus den Zinsen Ausbildungs-Stipendien für junge palästinensische Mädchen zu finanzieren. Da staatliche libanesische Berufsschulen kaum Palästinenser aufnehmen, private Schulen für die Flüchtlinge unbezahlbar sind und wegen der knappen Ausbildungsplätze der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency), bleiben vor allem Mädchen meist ohne Berufsausbildung. Durch einen jährlichen Zuschuss aus dem Rosa-Wainer-Stipendium konnten wir seit dem Schuljahr 1999/2000 acht palästinensischen Mädchen eine Ausbildung ermöglichen. Seit 2016/2017 ist das Stipendium auch für palästinensische Jungen geöffnet.

Ein wichtiger Aspekt dieses Stipendiums sind für uns die positiven Erfahrungen, die junge palästinensische Flüchtlinge mit dem Engagement einer Jüdin für das Anliegen der Palästinenser machen können. Die Isolation der Palästinenser im Libanon lässt solche Erfahrungen nicht zu. Von Geburt an erleben sie Juden bzw. Israelis vielmehr ausschließlich als Feinde, die Tod und Verderben über ihr Volk gebracht haben und bringen. Für einen zukünftigen tragfähigen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis sind gegenseitige positive Erfahrungen aber eine Grundvoraussetzung.

Unsere Stipendiatinen

Die erste Stipendiatin war Muna, ein vaterloses Mädchen mit 8 Geschwistern aus einem südlich von Beirut gelegenen Ort. Sie erhielt eine einjährige Ausbildung zur Kindergärtnerin. Sie arbeitet seitdem im Kindergarten von NISCVT im Sozialzentrum in Shatila. Muna ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder.

Wie Muna arbeiten die meisten unserer Stipendiatinnen Voll- oder Teilzeit, Shadia aus Nahr Al-Bared, Wiam aus Bourj Al-Shemali, Nuhad aus Shatila, Nirmine aus Bourj Al-Barajneh, Rana und Mirna aus Rashidiye. Safaa aus Bourj al-Barajneh hat in 2016 ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen. Seit Semesterbeginn 2016/2017 erhält Mahmoud eine Ausbildung zum Pfleger.

Rosa Wainer

Die Jüdin Rosa Wainer wurde 1922 in Dresden geboren. 1938 kam sie während des deutschen Nationalsozialismus 16jährig mit einem Kindertransport nach England. Dort arbeitete sie zunächst als Hausmädchen und später in einem Büro der englischen Armee. Ihre beiden Eltern wurden im Konzentrationslager Theresienstadt von den Nazis ermordet.

Nach Kriegsende kam sie nach Deutschland zurück und zog nach Berlin, wo sie als Sozialarbeiterin tätig war. Sie war Zeit ihres Lebens politisch aktiv, sozial und links engagiert. Sie hat sich besonders für die Erhaltung der Menschrechte in Israel/Palästina eingesetzt. Das Schicksal der Kinder war ihr immer ein Anliegen. Regelmäßig hat sie eine Flüchtlingsfamilie in Palästina unterstützt.

Am 23.10.1997 ist Rosa Wainer in Berlin verstorben. Rosa Wainer hat die Schirmfrau unseres Vereins, die israelische Rechtsanwältin Felicia Langer, testamentarisch damit beauftragt, ihr Erbe an palästinensische Flüchtlingskinder weiterzugeben. Rosa Wainer hatte Felicia Langer auf einer Veranstaltung in Berlin gehört und daraufhin auch ihre Bücher gelesen. Sie war von der engagierten Arbeit Felicia Langers tief beeindruckt. Beide haben sich aber nie persönlich kennen gelernt.